Dortmunds Kinder brauchen Förderung in der Kita und nicht zusätzliche Belastungen
Pressemitteilung: Im nordrhein-westfälischen Landtag wird aktuell über die Einführung sogenannter ABC-Klassen debattiert. Nach dem Willen der schwarz-grünen Landesregierung sollen Kita-Kinder künftig im Jahr vor der Einschulung verpflichtende schulische Vorkurse besuchen. Ziel ist es, Kinder gezielt auf die sprachlichen Anforderungen des Unterrichts vorzubereiten. In einer Anhörung im Landtag wurden die Pläne nun deutlich kritisiert.
„Die geplanten ABC-Klassen sind der falsche Ansatz zur Sprachförderung unserer Kinder“, erklärt die Dortmunder SPD-Landtagsabgeordnete Anja Butschkau. „Gerade in Dortmund wissen wir, wie wichtig frühe Unterstützung für Kinder und Familien ist. Kinder brauchen Förderung dort, wo sie sich sicher fühlen, stabile Beziehungen haben und jeden Tag lernen. Für mich ist das die Kita. Zwei Mal zwei Stunden Sprachkurs außerhalb des gewohnten Umfelds ersetzen keine alltagsintegrierte Förderung.“
Butschkau und die SPD-Landtagsfraktion kritisieren insbesondere, dass die Landesregierung auf ein Modell setzen will, das nach Einschätzung vieler Fachleute weder kindgerecht noch nachhaltig wirksam ist. Statt Kitas als zentrale Bildungsorte zu stärken, würden Kinder aus ihrem vertrauten Umfeld herausgelöst und für wenige Stunden pro Woche an andere Lernorte – meist Grundschulen – gebracht.
„Für viele Kinder in Dortmund bedeutet das zusätzliche Belastungen“, so Butschkau weiter. „Gerade Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf brauchen vertraute Strukturen und eine ganzheitliche Förderung. Die geplanten ABC-Klassen setzen viel zu spät an und konzentrieren sich einseitig auf vermeintliche Defizite.“
Auch für Schulen und Lehrkräfte sieht Butschkau erhebliche Herausforderungen. Bereits heute seien viele Grundschulen personell und organisatorisch stark belastet. Zusätzliche Förderstrukturen außerhalb der Kitas lösen die eigentlichen Probleme nicht.
„Unsere Lehrerinnen und Lehrer brauchen Entlastung statt zusätzlicher Aufgaben und unklarer Zuständigkeiten. Sprachförderung muss frühzeitig und kontinuierlich in den Kitas stattfinden, nicht erst im letzten Kita-Jahr. Dort lernen Kinder in vertrauten Strukturen und im Alltag. Deshalb müssen wir Kitas gezielt stärken und besser ausstatten, statt neue Strukturen zu schaffen.
Die SPD setzt deshalb auf ein „Kinderchancenjahr“ in den Kitas. Statt viel Geld für Transporte und externe Förderorte auszugeben, sollen die Mittel direkt in die frühkindliche Bildung investiert werden, etwa in zusätzliche Fachkräfte, kleinere Gruppen und multiprofessionelle Teams.
„Gerade Dortmund braucht starke Kitas und bessere Bildungschancen von Anfang an. Unser Ziel ist, dass alle Kinder mit fairen Chancen in die Schule starten – unabhängig von Herkunft oder Einkommen der Eltern“, betont Butschkau abschließend.
