Die bevorstehende Sperrung der A45 zwischen dem Autobahnkreuz Dortmund-West und der Anschlussstelle Dortmund-Hafen stellt Dortmund und die gesamte Region vor eine enorme verkehrliche Herausforderung. Ab Ende April 2027 soll die Autobahn für den Neubau der Brücke „Martener Straße“ monatelang gesperrt werden. Gleichzeitig wird die Martener Straße bereits ab November 2026 für den Individualverkehr gesperrt. Vom 9. Juli bis zum 15. Oktober 2027 kommt außerdem die Sperrung der wichtigen Bahnstrecke zwischen Dortmund und Duisburg hinzu.
Die SPD-Landtagsabgeordneten Anja Butschkau, Nadja Lüders, Ralf Stoltze und Volkan Baran hatten deshalb mit einer Kleinen Anfrage nach bestehenden und geplanten Baustellen auf Bundes- und Landesstraßen, möglichen Umleitungsstrecken und den Auswirkungen der A45-Sperrung auf das Verkehrskonzept der Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2027 gefragt. Die nun vorliegende Antwort der Landesregierung bestätigt aus Sicht der Abgeordneten vor allem, dass sich das Land aus der Verantwortung stiehlt.
Landesverkehrsminister Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen) verweist im Wesentlichen auf Angaben der Stadt Dortmund und der Autobahn GmbH des Bundes und erklärt, man stehe mit allen Akteuren im Austausch. Den eigenen Handlungsspielraum nutze das Land jedoch nicht ausreichend, meinen die Dortmunder SPD-Abgeordneten. Problematisch seien insbesondere Baustellen im Zuständigkeitsbereich von Straßen.NRW, die in die Zeit der A45-Sperrung fallen. Dazu gehören unter anderem die laufende Sanierung der B236 sowie die für 2027 vorgesehene Erneuerung der Fußgängerbrücke über die B54 am Heideblick.
„Der Neubau der A45-Brücke wird Autofahrern in der Region viel Geduld abverlangen. Genau deshalb erwarten wir von der Landesregierung mehr als den Hinweis, dass sich alle Beteiligten miteinander austauschen. Das Land hat hier keine rein moderative Aufgabe, es muss hier die eigene Verantwortung wahrnehmen und die verschiedenen Maßnahmen aktiv zusammenführen. Eigene Baustellen müssen kritisch hinterfragt und bei Bedarf auch angepasst werden. Die Antwort auf unsere Kleine Anfrage zeigt wenig davon.“, kritisiert Volkan Baran.
Besonders kritisch sehen die Abgeordneten die für 2027 vorgesehene Erneuerung der Fußgängerbrücke am Heideblick über die B54. Die Landesregierung bestätigt, dass der Ersatzneubau aufgrund des Zustands der Brücke im Brückenersatzneubauprogramm 2026 enthalten ist und 2027 umgesetzt werden soll.
„Das wäre eine Maßnahme, die man nicht zwingend in der Zeit der A45-Sperrung umsetzen müsste, sondern auf die Zeit danach verschieben ließe, ohne ein Verkehrschaos zu erzeugen. Was uns fehlt, sind zudem konkrete Antworten zu den Einschränkungen durch diese Baustelle. Muss die B54 temporär gesperrt werden? Fallen Fahrspuren weg? Welche weiteren Einschränkungen sind zu erwarten? Wie wird die Baustelle mit der A45-Sperrung abgestimmt?“, fragt Anja Butschkau.
Die SPD-Abgeordneten wollen deshalb mit einer weiteren Kleinen Anfrage nachhaken.
Auch die laufende Erneuerung der B236 einschließlich des Brückenneubaus an der Derner Straße schränkt eine wichtige Umleitungsstrecke massiv ein. Eine Unterbrechung der Arbeiten sei aufgrund des Zustands der Brücken nicht möglich, sagt Verkehrsminister Oliver Krischer.
„Dass die B236 dringend saniert werden muss, steht für uns außer Frage. Dennoch brauchen wir belastbare Informationen darüber, welche Kapazitäten während der A45-Sperrung zur Verfügung stehen und ob es nicht doch Möglichkeiten gibt, Bauabläufe anzupassen. Das Landesverkehrsministerium und Straßen.NRW machen es sich eindeutig zu einfach, wenn sie ihre bisherigen Planungen nicht an die neue Verkehrssituation anpassen, sondern ungeprüft weiterführen“, erklärt Nadja Lüders. Auch zur B236 wollen die SPD-Abgeordneten eine entsprechende Kleine Anfrage stellen.
Besondere Bedeutung hat die Verkehrssituation auch für die Internationale Gartenausstellung (IGA) 2027. Die Veranstaltung findet während der A45- und Bahn-Sperrung statt und ist auf eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur und gute Erreichbarkeit angewiesen.
Auf die Frage, inwiefern das Land Nordrhein-Westfalen die Veranstalterin bei der Überarbeitung des Verkehrskonzepts unterstützt, antwortet die Landesregierung lediglich, sie stehe mit den Akteuren der Großbaumaßnahmen im Austausch und wirke auf eine enge Abstimmung hin.
„Die IGA 2027 ist ein herausragendes Ereignis für Dortmund und die gesamte Region. Das Land ist einer der wichtigsten Förderer der IGA und stellt dafür einen hohen zweistelligen Millionenbetrag bereit. Man sollte annehmen, dass die Landesregierung ein Interesse für einen reibungslosen Ablauf hat. In diesem Fall kann es sich aber bei der Frage der Erreichbarkeit nicht länger mit einer Zuschauerrolle begnügen“, sagt Ralf Stoltze. „Das Landesverkehrsministerium muss die Veranstalterin dabei unterstützen, das Verkehrskonzept anzupassen, damit Besucherinnen und Besucher die IGA trotz der massiven Einschränkungen möglichst unkompliziert erreichen können. Das ist auch eine Frage des Erfolgs dieser Veranstaltung.“
Die SPD-Abgeordneten erwarten deshalb, dass die Landesregierung ihre Zuschauerrolle beendet und jetzt konkrete Maßnahmen ergreift, damit Dortmund und die Region nicht sehenden Auges in ein Verkehrschaos geraten.
