ArbeitBlog

Echte Wertschätzung in Pflege, Einzelhandel und Co.

Als NRW-Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der SPD und als Sozialpolitikerin interessiere ich mich sehr für die Unterschiede bei den Arbeitsbedingungen und Entlohnungen in unterschiedlichen Berufsgruppen. Vor der Corona-Krise war ich oft unterwegs, um einen Einblick in die Arbeitswelt zu erhalten und Kolleg*innen bei ihren Arbeitskämpfen zu unterstützen. Egal ob Real, Amazon oder Seniorenzentrum: Jetzt wird deutlich, dass in der Krise gerade diejenigen Berufsgruppen als systemrelevant wahrgenommen werden, bei denen wir seit vielen Jahren darauf aufmerksam machen, dass sie unter unfairen Arbeitsbedingungen und viel zu niedrigen Löhnen leiden.

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Wer in den letzten Wochen den Fernseher eingeschaltet hat, konnte sich gar nicht vor den vielen Danksagungen an Supermarktkassierer*innen, Pflegekräften und LKW-Fahrer*innen retten. Wir sahen zuhauf selbst gemalte Bilder und erlebten mitfühlende Arbeitgeber*innen und aufmerksame Fernsehmacher*innen. Hoffen wir, dass dieses Zeichen der Solidarität nach der Krise nicht wieder verpufft. Denn auch wenn nun zurecht über Bonuszahlungen diskutiert wird, täuschen sie nur zu leicht über das eigentliche Problem hinweg. Wir brauchen endlich nachhaltig faire Arbeitsbedingungen und höhere Löhne. Die Mitarbeiter*innen haben eine echte Wertschätzung ihrer Arbeit verdient. Wer, wenn nicht wir Sozialdemokrat*innen sollte sich dafür einsetzen?

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will den Mindestlohn für Pflegehilfskräfte erhöhen und für Pflegefachkräfte einen solchen einführen. Das ist ein erster wichtiger Schritt. Besonders begrüße ich, dass er einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag für die Pflege fordert. Dies erhöht den Druck auf die privaten Anbieter*innen und auf die Pflegekassen, die mit ihrer Politik den Preis für Pflegeleistungen auf Kosten der Beschäftigten drücken. Aber auch Pflege hat einen Wert, den es nicht zum Dumpingpreis geben darf. Doch bereits jetzt ist sichtbar, dass ein allgemeinverbindlicher Pflegetarifvertrag nur unter großem Widerstand zustande kommen wird. Auch eine Folge des viel zu niedrigen Organisationsgrads in der Pflege.

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