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Prostitution im Münster-, Sieger- und Sauerland: Beratungsangebote jetzt stärken!

Prostitution findet nicht nur in den großen Städten an Rhein und Ruhr statt, sondern auch im Sauerland oder der Eifel. Daher brauchen wir auch dort eine spezialisierte Beratungs- und Hilfsinfrastruktur. Darüber sind wir uns im Ausschuss für Gleichstellung und Frauen des Landtags NRW eigentlich alle einig, genauso wie bei der Bekämpfung von Menschenhandel und Zwangsprostitution.

Aber oft ist eben Reden und Handeln ein Unterschied. Das habe ich am Donnerstag auch im Landtag klar gemacht, als CDU und FDP einen Antrag eingebracht haben, mit dem sie die Beratungsinfrastruktur evaluieren und systematisch ausbauen wollen. Das ist eigentlich eine tolle Sache, die wir mit unterstützen werden. Der Antrag missachtet aber, dass es bereits jetzt gravierende Probleme gibt, die dringend angepackt werden müssten.

Keine Finanzierung für Beratungsstelle Tamar – Prostituiertenberatung in Münsterland, Sauerland und Siegerland vor dem Ende

So läuft im April die Finanzierung für die Beratungsstelle Tamar aus. Diese wurde in den letzten fünf Jahren aus dem Europäischen Sozialfond gefördert. Mit Beratungsstellen im Münsterland, Sauerland und Siegerland richtet sich dieses Projekt der Evangelischen Frauenhilfe Westfalen gerade an Prostiuierte im ländlichen Raum. Erfahrungen in diesem Umfeld gab es bislang allenfalls sehr wenige. Die Arbeit ist eine andere und wesentlich aufwändiger, weil die Wege weiter sind und es keine Konzentrationen wie in großstädtischen Rotlichtvierteln gibt.

Die Erfahrungen, die in den fünf Jahren gesammelt und das Wissen, das aufgebaut wurden, drohen nun wieder verloren zu gehen. Denn bislang gibt es keine Anschlussfinanzierung. Die CDU-regierten Kreise und Kommunen verweigern sich, finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Das Thema Prostitution ist vor allem in den konservativ geprägten Kommunen im Sauerland, Siegerland und Münsterland ein Tabu. Auch von der Landesregierung wurde das Problem noch nicht angepackt. Der Antrag von CDU und FDP benennt zwar das Problem bei Tamar, geht aber nicht auf diese akute Problemlage ein. Tamar hat aber keine Zeit, monate- oder jahrelang zu warten, bis Evaluation, Konzept und Finanzierung auf Landesseite vorliegen. Dann werden die Mitarbeiterinnen längst gegangen sein und wichtiges Wissen verloren sein.

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