Anja Butschkau

Multikulturelles Forum: Verlässlicher Partner in Sachen Bildung, Beratung, Prävention und Integration

Das Multikulturelle Forum mit rund 150 Mitarbeiter*innen hat neben der Zentrale in Lünen weitere Außenstellen in Dortmund, Lünen-Süd, Bergkamen, Hamm und Düsseldorf. Hier das Team in Dortmund.

Meine Herbsttour führte mich in Begleitung meines Abgeordnetenkollegen Volkan Baran und dem Vorsitzenden der SPD-Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt heute zur Dortmunder Außenstelle des Multikulturellen Forums. Das Multikulturelle Forum startete 1985 als Migrantenselbstorganisation und hat sich innerhalb der letzten 30 Jahre zu einem hoch angesehenen Träger im Bereich der Bildung, Beratung, Begleitung und Integration von Migrantinnen und Migranten entwickelt.

Die Mitarbeiter*innen des Multikulturellen Forums stellten ihre Arbeit vor und standen Rede und Antwort auf die Fragen der beiden Abgeordneten.

Der Geschäftsführer Kenan Kücük, Außenstellenleiterin Deniz Greschner und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informierten uns ausgiebig über die Geschichte und Arbeit des Multikulturellen Forums und stellten uns ein paar der zahlreichen Projekte vor, z.B.:

  • die Salafismus-Präventionsprojekte Wegweiser und Dortmunder Durchblick,
  • das Projekt Objektiv, welches ein medienpädagogisches Angebot für junge Menschen ist, das antisemitische Einstellungen und Sichtweisen im Alltag bekämpfen soll,
  • das Kompetenzcenter Selbständigkeit, das Selbständigen helfen soll, ein nachhaltiges Geschäftskonzept aufzubauen,
  • die Beratungsstelle für Migrantenselbstorganisationen, die bei Gründung einer solchen hilft oder
  • das Projekt zur interkulturellen Öffnung von Verwaltungen, das interkulturelle Kompetenzen in Bürgerbüros, Jobcentern oder der Polizei fördert.

Darüber hinaus bietet das Multikulturelle Forum eine große Anzahl an Beratungsstellen für Migrant*innen, Flüchtlinge, Arbeitssuchende, Erwerbslose, Selbständige und Familien an. Das Bildungswerk des Multikulturellen Forums ist einer der größten Anbieter für Deutsch- und Integrationskurse in NRW.

Besonders interessierte mich natürlich das Projekt Wegweiser, das durch das Land Nordrhein-Westfalen finanziert wird und dessen Anlaufstelle in Dortmund durch das Multikulturelle Forum betrieben wird. Dieses wird aktiv, wenn Eltern oder Lehrer das Gefühl haben, dass Jugendliche in die radikal-salafistische Szene abzugleiten. Wegweiser ist kein Aussteigerprogramm, sondern setzt frühzeitig präventiv ein. Es begleitet Jugendliche auf ihrer Suche nach dem richtigen Ausleben ihres Glaubens. Das Projekt Dortmunder Durchblick wird über das Programm Demokratie leben! des Bundesfamilienministeriums finanziert. Dieses informiert Multiplikator*innen in Moscheegemeinden und Vereinen, pädagogische Fachkräfte an Schulen, Kitas und Jugendeinrichtungen, aber auch Mitarbeiter*innen in Behörden (z.B. Jobcentern) über den radikalen Salafismus, wie man Radikalisierungstendenzen erkennt und welche Anlaufstellen es gibt.

Kenan Kücük und Anja Butschkau im Gespräch.

Das Thema Salafismus interessierte mich aber auch im Hinblick auf die Rolle von Frauen und Mädchen im Salafismus. Dies beschäftigte vor Kurzem auch den Ausschuss für Gleichstellung und Frauen. Wir erleben, dass die salafistische Szene immer weniger offen auf der Straße nach neuen Anhängern wirbt. Die Kommunikation hat sich in die sozialen Medien und in den privaten Bereich verlagert. Besonders Frauen und Mütter spielen eine wichtige Netzwerkerinnenrolle. Sie organisieren Gruppen, tauschen Regeln und Verhaltensweisen aus, geben Halt in der Gemeinschaft. Außerdem müssen wir einen Weg finden, zu verhindern, dass Kinder über diese Kreise nicht auch radikalisiert werden.

 

Denn der Salafismus ist weiterhin eine radikale Auslegung des Islams, der dem Faschismus gleicht. Dabei nutzt er die individuellen Sorgen und Probleme der Menschen aus, die er rekrutiert. Im Extremfall führt dies dazu, dass Salafisten – auch Frauen – in den Nahen Osten in den „heiligen“ Krieg ziehen und dort schamlos ausgenutzt werden.

Ich möchte aber betonen, dass der Salafismus nicht mit DEM Islam gleichzustellen ist. Der Salafismus ist eine einzelne, sehr radikale Strömung innerhalb des Islams. Laut Verfassungsschutz NRW besteht die salafistische Szene in NRW aus 3.000 Anhängern, von denen 800 als gewaltbereit eingestuft werden. Bedenkt man, dass in NRW 1,5 Millionen Muslima und Muslime leben, ist das eine verschwindend kleine Gruppe, die bei weitem nicht den Islam und die Muslima und Muslime in unserem Land repräsentiert. Die große Mehrheit der Muslime in NRW hält sich an Recht und Verfassung.

Dennoch gilt es, die salafistische Szene, die das Zusammenleben wie wir es in unserem Land kennen, ablehnt, zu beobachten und zu bekämpfen. Dafür haben wir Aussteigerprogramme und eben jenes Wegweiser-Projekt, das bei Jugendlichen frühzeitig ansetzt. Wegweiser ist in 12 Städten im ganzen Land vertreten.

Neben dem Thema Salafismus haben wir aber auch die Arbeit der anderen Projekte ausführlich diskutiert. Diese Diskussionen wiederzugeben, würde hier aber den Rahmen sprengen. Ich werde die Arbeit des Multikulturellen Forums weiterverfolgen. In über 30 Jahren wurde hier eine Erfahrungs- und Kompetenzbasis, wie man sie kaum woanders findet. Deshalb werden die Vertreter*innen und Mitarbeiter*innen auch regelmäßig von Land und Bund als Berater*innen zum Thema Migration und Integration bestellt.

Geschäftsführer Kenan Kücük (l.) und Außenstellenleiterin Deniz Greschner (2.v.r.) begrüßten die beiden Abgeordneten.

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