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Metro verkauft Real: Zukunft der Mitarbeiter ungewiss

1.000 Mitarbeiter von Real protestierten vor der Metro-Hauptversammlung in Düsseldorf.
1.000 Mitarbeiter von Real protestierten vor der Metro-Hauptversammlung in Düsseldorf.

Metro verkauft Real. Dies beschlossen die Metro-Aktionäre am Freitag auf der Metro-Hauptversammlung in Düsseldorf. Käufer ist eine russische Investorengruppe um SCP Group und X+Bricks. Zusammen mit der SPD-Landtagsfraktion NRW und der AfA NRW habe ich den Protest von rund 1.000 Kolleg*innen von Real unterstützt, die vor dem Düsseldorfer Congress-Center für ihre Zukunft demonstrierten. Landesweit wurden die Real-Filialen bestreikt. Geschätzt 10.000 von 34.000 Arbeitsplätzen sind akut von einer Streichung betroffen.

Ein Teil der Läden soll geschlossen und ein weiterer Teil soll verkauft werden. Die Läden, die als Real zunächst zwei Jahren weitermachen dürfen, verlieren aufgrund des Schrumpfens weiter an Schlagkraft, so dass man davon ausgehen kann, dass in naher Zukunft die verbliebenen Filialen von Real ebenfalls verkauft werden. Die Mitarbeiter*innen bangen also alle um ihre Zukunft.

Hinter dem Deal steckt ein eindeutiges Interesse: Die SCP Group und X-Bricks sind keine Handelsunternehmen. Sie entwickeln Immobilien. Daher ist davon auszugehen, dass das Kaufinteresse einzig allein den Real-Grundstücken dient.

Tarifflucht bei Real

Bei all den Verhandlungen wurde der Betriebsrat außen vor gelassen. Dem oben drauf gesetzt wurde eine dreiste Form der Tarifflucht. Ver.di berichtet auf seiner Homepage wie folgt:

„Ende März 2018 platzte die erste Bombe: Die Metro-Tochter real beging mit ihren rund 280 großen SB-Warenhäusern Tarifflucht. Neu eingestellte Mitarbeiter sollen monatlich deutlich weniger verdienen. Auch die „Alten“, aktuell rund 34.000 Beschäftigten, laufen Gefahr, mit mehreren Hundert Euro zur Kasse gebeten zu werden.

Bereits 2015 hatte der real-Mutterkonzern Metro – Gewinnprognose Anfang des Jahres: 1,58 Milliarden Euro – erstmalig zugeschlagen. real blieb im Handelsverband HDE, wechselte aber in die OT-Mitgliedschaft („ohne Tarifbindung“).

Nach einer Streik- und Protestwelle kam ein „Zukunftstarifvertrag“ mit ver.di zustande. real kehrte zurück in den Flächentarif und fast alle Läden und Jobs konnten gesichert werden. Dagegen standen der befristete Verzicht auf Gehaltserhöhungen und gekürzte Sonderzahlungen 2017 bis 2019. Verabredet wurde auch, eine neue Entgeltstruktur zu verhandeln.

Doch dann erfolgte nach etlichen Runden der Angriff von real: Das im Februar [2018] vorgelegte Modell sieht sieben Tarifgruppen ab 1.630 Euro vor. Weil die ver.di-Tarifkommission die Billigtarife nicht akzeptierte, ließ die Metro die Verhandlungen platzen.

Um die Dumping-Tarife des als Pseudo-Gewerkschaft kritisierten DHV-Verbandes anwenden zu können, hat es inzwischen einen Betriebsübergang zur Metro Services GmbH gegeben, wo das SB-Warenhaus-Unternehmen in real GmbH umbenannt wurde. Außer wesentlich niedrigeren Löhnen bedeutet dies weniger Urlaubs- und Weihnachtsgeld, die Abschaffung der Spätarbeitszuschläge und die Zahlung von Nachtarbeitszuschlägen erst ab 22 Uhr.

Dadurch, dass das Unternehmen real im Frühjahr den Zukunftstarifvertrag gekündigt hatte, war auch die mit ver.di vereinbarte Standort- und Beschäftigungssicherung bereits entfallen. Damit war die „Braut“ offenbar hübsch genug, um zum Verkauf angeboten werden: Am 13. September 2018 gab die Metro AG die Verkaufsabsicht bekannt.“

http://www.real-verdi.de/p/hintergrund.html

Regelmäßiger Austausch zwischen Real Betriebsrat und SPD

Gerade in Dortmund haben wir uns regelmäßig mit dem Betriebsrat von Real ausgetauscht. Real ist ein wichtiger Arbeitgeber in Dortmund. Daher war uns ein fairer Umgang mit den Mitarbeiter*innen und ein Erhalt der Handelskette wichtig. Als nun die aktuellen Verkaufsabsichten bekannt wurden, haben wir im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales im Landtag eine aktuelle Viertelstunde beantragt. Wir wollten wissen, wie sich Arbeitsminister Karl-Josef Laumann für die Mitarbeiter*innen von Real einsetzen wird. Dass er wenig direkte Einflussmöglichkeiten hat, war uns durchaus bewusst. Wir haben aber erwartet, dass er das Wort für die um ihre Zukunft bangenden Kolleg*innen und ihre Familien macht und Metro-Chef Olaf Koch sagt, dass man mit Menschen so nicht umgehen darf.

Doch die einzige Antwort, die Laumann für die Menschen hatte, war: Warten wir doch erstmal ab, was passiert. Was dann letztendlich passierte, konnte man dann wenige Tage später in Düsseldorf sehen. Die schlimmsten Befürchtungen sind eingetroffen und die Landesregierung hat nichts dagegen getan.

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