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Ein gelungener Ganztag in Dortmund braucht Standards

Wie sieht ein gelungener Ganztag aus? Diese Frage diskutierten wir am Montag mit Expert*innen im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema Ganztagsschule in Dortmund im Wilhelm-Hansmann-Haus.

Die Ganztagsschule, auch Offener Ganztag (OGS) genannt, ist ein wichtiger Baustein für mehr Bildungsgerechtigkeit. Hier erhalten Schülerinnen und Schülern individuelle Förderung, die sie in vielen Elternhäusern nicht bekommen. So sollte es zumindest sein. Denn die Realität sieht oft anders aus. Grund: Jede Ganztagsschule ist unterschiedlich organisiert. So arbeiten die Träger vor Ort unter verschiedenen sozialräumlichen Verhältnissen und setzen ihre Konzepte in völlig unterschiedlichen Räumlichkeiten um. Die Finanzierung des Ganztags ist in jeder Kommune anders geregelt.

Podiumsdiskussion Ganztag
Viele Fachleute aus dem Ganztags-Bereich folgten der Einladung der SPD.

Podiumsdiskussion diskutierte Weiterentwicklung des Ganztags

Am Dienstag luden Volkan Baran und ich zu einer Podiumsdiskussion der SPD-Landtagsfraktion NRW in das Wilhelm-Hansmann-Haus ein. Unser Gast war unser Abgeordnetenkollege Rüdiger Weiß, der Mitglied im Ausschuss für Schule und Bildung ist. Er präsentierte das Konzept der SPD-Landtagsfraktion zum Ganztag in NRW. Im Anschluss diskutierten wir mit Expert*innen auf dem Podium. Hier konnte ich als Moderatorin des Abends folgende Gäste begrüßen:

  • Karen Schubert-Wingenfeld, Bereichsleiterin für den Offenen Ganztag der PariSozial gGmbH
  • Alisa Löffler, schulpolitische Sprecherin der SPD-Ratsfraktion Dortmund
  • Bianca Köppencastrop, Schulleiterin der Hansa-Grundschule.

Das Podium wurde ergänzt durch Rüdiger Weiß.

Es fehlen Standards für Ausgestaltung und Finanzierung der Ganztagsschule

Doch zunächst erläuterte Rüdiger Weiß mit einer Präsentation, wo wir in Nordrhein-Westfalen in Sachen Ganztagsschule eigentlich stehen. Die Schülerzahlen wachsen seit Jahren. Die OGS hat sich also etabliert. An den meisten Schulen gibt es Angebote in diesem Bereich. Allerdings führt dies auch dazu, dass es Schulen gibt, in denen nicht mit dem Herzblut an dem Projekt gearbeitet wird, wie dies wünschenswert ist. Die die OGS eingeführt haben, bevor sie die einzigen sind, die kein Ganztagsangebot haben.

Weiß bemängelte, dass die Ganztagsschule nicht gesetzlich geregelt sei und somit auch keine Standards zur Ausgestaltung und Finanzierung existieren. Die SPD habe sich zwar mit Ideen und parlamentarischen Initiativen eingebracht, die bei vielen Expert*innen auf Zustimmung treffen. Bei Landesregierung und Regierungsfraktionen fanden diese Inititiativen allerdings kein Gehör. Scheinbar messe Schwarz-Gelb dem Ganztag keine Bedeutung zu.

Ganztagsschule bekämpft soziale Ungerechtigkeit und fördert Vereinbarkeit von Familie und Beruf

In der Podiumsdiskussion stellte Alisa Löffler noch einmal heraus, wie wichtig der Offene Ganztag sei. Gerade in Dortmund mit seinem großen Nord-Süd-Gefälle bei der Sozialstruktur sei ein gute Ganztagsangebot gerade in den nördlichen Stadtteilen wichtig, um soziale Ungerechtigkeit abzubauen. Zudem fördere der Ganztag die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, da dadurch die Kinder am Nachmittag gut versorgt werden. Dass die Dortmunder dieses Angebot annehmen, steht außer Frage. So verdoppele sich zwischen 2017 und 2023 den Prognosen nach der Bedarf.

Rüdiger Weiß weiß um das sensible Thema auskömmlicher Finanzierung. Und er denkt, dass die Ganztagsschule bezahlbar ist: „Die Frage, ob das verkraftbar ist, ist eine rhetorische Frage. Natürlich ist das verkraftbar. Und es muss verkraftbar sein.“ Er ist der Meinung, dass man Prioritäten setzen müsse. Es dürfe nicht sein, dass für Bildung kein Geld da sei, selbst wenn es in anderen Bereichen wie dem Straßenbau ebenfalls mehr investiert werden müsse.

Unsere Rohstoffe sind die Köpfe unserer Kinder

In Deutschland gebe es kaum Rohstoffe. Weiß: „Unsere Rohstoffe sind die Köpfe unserer Kinder. Und wenn man es ernst meint, muss man Prioritäten setzen. Es kann nicht sein, dass für Bildung kein Geld da ist.“ Dabei müsse man Ungleiches auch ungleich behandeln. An Orten, an denen die sozialen Probleme groß sind, muss dann auch mehr Geld investiert werden als an Orten ohne diese Probleme.

Bei den Themen Standards und Finanzierung traf Weiß bei den anwesenden Expert*innen aus der Praxis auf offene Ohren. Nirgendwo wird dies dermaßen sichtbar, wie bei der Frage, ob die Ganztagsschule als Auftrag ausgeschrieben werden sollte. Das wird in den Kommunen unterschiedlich gehandhabt. In Dortmund wird der Betrieb der Ganztagsschule bislang im Rahmen von öffentlichen Aufträgen ausgeschrieben. Alle fünf Jahre mussten sich die Träger erneut um die Aufträge bemühen. Dieser Zeitrahmen soll zukünftig auf vier Jahre verringert werden. In anderen Städten haben die Träger dagegen mehr Planungsicherheit.

Ausschreibungen für die Ganztagsschule in Dortmund bereiten Sorgen

Das hat dann auch positive Auswirkungen auf die Mitarbeiter*innen, die nicht alle paar Jahre um ihren Job bangen müssen. Viele pädagogische Fachkräfte vermieden es zudem, ein zeitlich befristetes Arbeitsverhältnis in der Ganztagsschule anzunehmen, um stattdessen unbefristet als Erzieher*innen in den Kitas zu arbeiten. Der Fachkräftemangel im Erzieherbereich schlägt somit umso mehr auf die Ganztagsschule über. Man müsse sich fragen, ob die OGS nur eine Dienstleistung sei oder Teil der Jugendhilfe.

Volkan Baran fasste die Diskussion zusammen. Er betonte, dass die SPD-Fraktion ernsthaft an dem Thema interessiert sei. Man habe in der Opposition zwar keine direkten Gestaltungsmöglichkeiten, dennoch arbeite man an Konzepten, die man auch mit Finanzierungsvorschlägen hinterlegt sind. Ziel sei es, diese Konzepte dann auch umzusetzen, sobald man wieder in Regierungsverantwortung komm – so wie man es bereits zwischen 2005 und 2010 getan hat. Auf dem Weg dorthin ist für ihn wichtig, den Menschen, die in dem Bereich arbeiten, zuzuhören und mit ihnen Lösungen zu erarbeiten. Die heutige Podiumsdiskussion war hierfür ein Schritt.

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