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Anja Butschkau neue AWO-Vorsitzende

Am Samstag wurde ich zur Vorsitzenden des AWO Unterbezirks Dortmund gewählt. Damit übernehme ich die Nachfolge meiner im Januar plötzlich verstorbenen Freundin und Förderin Gerda Kieninger.

Eine AWO ohne Gerda ist eigentlich nur schwer vorstellbar. Seit 17 Jahren war sie Vorsitzende und dabei immer eine wichtige Streiterin für soziale Gerechtigkeit und Gleichstellung in Dortmund und Nordrhein-Westfalen. Mit ihr verliert die AWO eine Persönlichkeit, die den Verband wie kaum eine andere geprägt hat.

Für mich war es eine Selbstverständlichkeit in dieser schweren Zeit Verantwortung zu übernehmen und meine AWO nicht im Stich zu lassen – auch wenn es sehr große Fußstapfen sind, die Gerda hinterlässt. Viele Menschen im Vorstand und aus den Ortsvereinen haben mich gefragt, ob ich das Amt übernehmen kann. Insofern freut es mich, dass ich mit einem überragenden Ergebnis von den 128 Delegierten aus den Ortsvereinen gewählt wurde. Es ist mir eine Ehre und zugleich Verpflichtung, mich gemeinsam mit meinen AWO-Freundinnen und Freunden, für eine sozial gerechtere Gesellschaft einzusetzen.

Mit einem Praktikum fing alles an

Mit einem Praktikum in einer Bochumer Obdachlosensiedlung fing alles 1988 an. Seitdem bin ich der AWO haupt- und ehrenamtlich verbunden, zuerst in verschiedenen Funktionen beim AWO Kreisverband Bochum und im AWO Unterbezirk Ruhr-Mitte, seit 2009 dann als Leiterin der Verbands- und Öffentlichkeitsarbeit im AWO Unterbezirk Dortmund. Auch nach dem Einzug in den Landtag blieb ich natürlich meiner AWO treu. Seit jeher prägen die AWO-Werte Solidarität, Freiheit, Toleranz, Gleichheit und Gerechtigkeit mein Leben im Beruflichen wie im Privaten.

Aber eine gerechte und solidarische Gesellschaft ist kein Selbstläufer. Sie muss jeden Tag erneut erkämpft werden. Das erleben wir momentan. Das Schreckgespenst des Neoliberalismus und der Privatisierungswahn in der Politik sind noch nicht überwunden. Das merken wir jeden Tag im politischen Geschehen. Wo den freien Wohlfahrtsverbänden immer mehr Steine vor die Füße geworfen werden, wo finanzielle Mittel für soziale Herausforderungen gekürzt werden, wo bürokratische Hürden immer höher werden und wo sich gemeinnützige Träger immer öfter dem Wettbewerb gewinnorientierter Unternehmen stellen sollen.

Eine solidarische und gerechte Gesellschaft muss jeden Tag neu erkämpft werden

Diese Entwicklung gefährdet die Existenz, nicht nur der AWO, sondern der freien Wohlfahrtspflege generell. Diese Entwicklung trifft die Menschen, denen im Leben nicht so viel Geld zur Verfügung steht. Die nach einem harten Arbeitsleben, Familienerziehung und Pflegezeiten mit der Rente nur so gerade eben über die Runden kommen. Das trifft Alleinerziehende, die im Spannungsfeld Familie und Job in letzterem meistens zurückstecken. Und es trifft Arbeitslose und Geringverdiener, die auf kompetente Beratungsangebote angewiesen sind. Für ihre Rechte wollen wir kämpfen. Ihnen möchte ich als AWO-Vorsitzende eine Lobby geben.

Die 128 Delegierten der Unterbezirkskonferenz der AWO Dortmund wählten Anja Butschkau zur Vorsitzenden.
Die 128 Delegierten der Unterbezirkskonferenz der AWO Dortmund wählten Anja Butschkau zur Vorsitzenden.

Es gibt aber auch ein zweites Schreckgespenst, das seit einigen Jahren durch unser Land zieht. Das gerade in den letzten Tagen immer wieder zu sehen war – in Thüringen, in Hanau, in Halle und viel zu oft auch bei uns in Dortmund. Das ist der ausufernde Rechtsextremismus. Dabei ist es unerträglich, wie konservative Kräfte der AfD den Weg ebnen wollen. Wie die AfD hoffähig gemacht werden soll. Eine Partei der Faschisten, die mittlerweile offen die Rhetorik des Nationalsozialismus übernommen hat. Die Teile unserer Gesellschaft ausschließen will. Die einen Keil in unsere Gesellschaft treiben will. Und die vor allem den gewaltbereiten Rechtsextremismus und -terrorismus anheizt.

Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus haben in unserer Stadt und in unserem Land keinen Platz!

Diese Entwicklung macht mir Sorge. Deshalb werden wir als AWO unseren Kampf gegen rechte Hetze und Ausgrenzung noch deutlicher als bisher fortsetzen! Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus haben in unserer Stadt und in unserem Land keinen Platz!

Die AWO war immer ein starker Partner in der Dortmunder Stadtgesellschaft, egal ob es um Solidarität, Zusammenhalt oder Gerechtigkeit ging. Wir sind da und machen unseren Mund auf! Immer im Interesse der Menschen, die keine oder nur eine ganz leise Stimme haben. Das wird auch in Zukunft so bleiben!

Ich freue mich auf, gute Zusammenarbeit mit meinem neuen Vorstand, denen Ulrike Matzanke, Oliver Schröer, Ewald Schumacher, Friedhelm Sohn, Hans van Dormalen, Hans-Jürgen Unterkötter, Brigitte Steins, Brigitte Westphal, Brigitte Jülich, Birgitt Kalle, Werner Rabenschlag und Simone Knipping angehören. Zugleich war es aber auch eine Konferenz, auf der verdiente Freundinnen und Freunde verabschiedet wurden: die beiden stellvertretenden Vorsitzenden Renate Riesel und Hans-Jürgen Unterkötter und AWO-Geschäftsführer Andreas Gora. Renate und Hans-Jürgen kandidierten nicht mehr für den Vorstand. Andreas wird im Sommer in Rente gehen. Es war somit seine letzte Unterbezirkskonferenz. Alle drei haben über viele Jahrzehnte Großartiges für die AWO geleistet.

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